Wiederbelebung seit den 1950er Jahren

1950er Jahre:

Vorausgehend wird 1934 die Ausübung der Parforce-Jagd in Deutschland mit der Einführung des Reichsjagdgesetzes verboten und während des Zweiten Weltkriegs wird auch der musikalische Aspekt „Trompe“, als Teil dieser Jagdform verdrängt und vergessen.

Nach dem Krieg entwickeln sich neue Aktivitäten um die Trompe

Auf verschiedenen deutschen Jagdausstellungen werden internationale Jagdpraktiken und Traditionen rund um die Jagd gezeigt, so zur ersten „Internationalen Jagdausstellung“ 1954 in Düsseldorf. Im Rahmen dieser Schauen treten Trompe-Formationen aus Frankreich auf, die ihre lückenlos über mehrere Jahrhunderte gepflegte Musik darbieten. Hier sind es im speziellen die Veneure, die Ihre Jagd-Kunst zeigen und damit die deutsche Jägerschaft ansprechen.

Mit zahlreichen Berichten und sogar Übertragungen in Rundfunk und Fernsehen hierüber wird bereits zu dieser Zeit ein grosses Publikum erreicht.

Auch die musikalische Gestaltung von feierlichen Gottesdiensten und kirchlichen Messen in Deutschland, die mit Einladung französischer Trompe-Gruppen gehalten werden, finden grossen Anklang beim Publikum.

Das Interesse einiger Jäger in Deutschland ist geweckt, die teils schon bläserisch mit dem Parforcehorn und dem kleineren Fürst-Pless-Horn vertraut sind. Diese suchen Kontakte zu Gruppen und Lehrern aus Frankreich, um sowohl Instrumente zu erwerben, als auch die Kunst des Trompe-Spielens zu erlernen. Mit grosser Bereitschaft werden diese Einladungen nach Deutschland von namhaften französischenTrompe-Gruppen und ihren Leitern angenommen. Ein Auszug aus dem Bericht von Fritz Bayer über die Entstehung der Trompe-Gruppe "Les Trompes de Chasse Erftland" unter Werner Hölter

„…Einige Pleßhornbläser aus dem Jagdhornbläsercorps Neuss-Grevenbroich, die diesen Gottesdienst (die Hubertusmesse im Xantener Dom am 23. Oktober 1960) miterlebt und Tonbandaufnahmen von der ganzen Messe gemacht hatten, ergriffen vor dem Dom die Gelegenheit, Kontakt mit den Franzosen aufzunehmen, und es kam spontan zu einem freundschaftlich-herzlichen Austausch. Der anschließende, gemeinsame Bläserfrühschoppen mit den Franzosen mündete schließlich darin, daß Marquis de Vibraye den deutschen Bläsern das Mitgliedsabzeichen der FTF (Féderation des Trompes de France) ansteckte und sie auf sein Schloß Cheverny an die Loire einlud…“ 

Im baden-württembergischen Tübingen entsteht in dieser Zeit ebenfalls eine Keimzelle. Während der französischen Besatzungszeit 1945 - 1952 existiert in der Tübinger Miravalkaserne eine Equipage mit dem Namen „Rallye Wurtemberg", die eine Hundemeute in Bebenhausen unterhält, mit der die Venerie-Jagd im nahen Schönbuch ausgeübt wird, begleitet vom Klang der Trompe. Es ist die Gruppe St. Hubert de Strasbourg unter der Leitung von J.P. Bonneville. Maître der Equipage ist General Guillaume Widmer, Piqueur Louis Daudet, der anschließend zurückgekehrt nach Frankreich Piqueur bei der Equipage Piqu’Avant Orleans wird. 

Auch hier findet bereits ein Austausch statt, bei dem deutsche Interessierte den jagdlichen Ablauf und seine Zeremonien erleben können. Im Laufe der Jahre entsteht eine deutsch-französische Gruppe, die sich später mit orthografischer Namensänderung weiterhin „Rallye Württemberg“ nennt und seit 1983 unter der Schirmherrschaft des Herzogs von Württemberg steht.

Auch in Adelskreisen erinnert man sich der alten Jagdtradition und ihrer musikalischen Begleitung, nicht zuletzt wegen der vielen vorhandenen Zeitdokumente und sogar Instrumente - Hörner, die noch im Besitz der Familien sind. Dazu kommen überlieferte Erinnerungen und Geschichten. So sind Auftraggeber und teils auch selbst musizierende Trompebläser aus dem Adel keine Seltenheit.

 

1960er Jahre:

Auch in den 60er Jahren finden weiterhin zahlreiche Auftritte französischer Trompe-Gruppen in Deutschland statt, die bereits auf die Begeisterung und Faszination für die in den 50ern begonnenen Präsentationen und kirchlichen Messegestaltungen aufbauen.

Diese Veranstaltungen werden in den jährlichen Revuen der „Féderation des Trompes de France“ terminlich erwähnt. Dabei tauchen deutsche Bläser und Gruppen aus Deutschland bereits namentlich auf: Peter Kötz (1966, Versuch Brevet du Sonneur classé), Düsseldorfer Jagdhornbläser (Leitung Herr Beissel),…

1962 wird die „Parforcehorngruppe Erftland“ gegründet, später „Trompes de Chasse Erftland“.

Ihr Leiter Werner Hölter gestaltet 1963 erstmals die Hubertusmesse in der Basilika zu Prüm in der Eifel mit 10 deutschen Trompebläsern. (Historische Tonaufnahme der „Trompes de Chasse Erftland“ aus den 1970er-Jahren: La Grande Fanfare, Auszug)

In diesen Jahren finden und gründen sich einige Gruppen, die sich mit dem Erlernen der Trompe den typischen Spielstil erarbeiten und ein auftrittsreifes Repertoire einstudieren, um es bei den zahlreichen Auftrittsanfragen darbieten zu können. Anhand der bis 1966 rund 150 in Frankreich hergestellten und nach Deutschland ausgelieferten Trompes, vermittelt durch die „Parforcehorngruppe Erftland“, lässt sich die Zahl der begeisterten Anhänger für die Trompe erahnen.

 

1970er Jahre:

Dieses Jahrzehnt ist geprägt vom Beginn der Organisation der deutschen Bläser in einem Vereinssystem und der gezielten Vermittlung der Blastechnik auf deutschen Lehrgängen, bis hin zum Anschluss an das Wettbewerbswesen in Frankreich und Deutschland.

Initiator dieser Entwicklung ist Peter Kötz, der im Februar 1973 feierlich zum ersten offiziellen Lehrgang auf Burg Guttenberg einlädt. Peter Kötz hat zuvor mit weiteren deutschen Trompebläsern (Claus Fentzloff, Graf von Rittberg, Baron Peter von Mentzingen, Hans Heinrich Vögele und weiteren) über einige Jahre mit französischer Unterstützung die Trompe erlernt und freundschaftliche Beziehungen nach Frankreich aufgebaut. Mit seinem Engagement für die Pflege und Verbreitung der Trompe in Deutschland verkörpert er die Position des Vermittlers zwischen der französischen Fédération und der bis dahin noch  nicht gemeinschaftlich organisierten deutschen Bläserschaft. Die „Féderation des Trompes de France“ ernennt Peter Kötz zum ersten Delegue der „deutschen Sektion“. Im Rahmen einer Gründerversammlung im Jagdschloß Kranichstein wird Peter Kötz schließlich am 27.04.1974 zum ersten Delgue gewählt und damit auch die Gründung der "Sektion Allemagne" innerhalb der FTF besiegelt.

1975 berichtet Peter Kötz in der FITF-Revue, dass zu diesem Zeitpunkt an die 120 Sonneure in Deutschland die Trompe spielen, wovon sich rund die Hälfte dieser Bläser bereits zu Gruppen formiert hat: Er nennt Groupe de Cochem, Groupe d’Erftland, Rallye Trompe Foret Noire, Rallye Trompes Moselle-Sarre, Groupe de Rembrücken, Cercle des Sonneur Sarrois de Sarrelois und Groupe de Traunstein.

Weiter beschreibt er den von nun an einmal jährlich im Raum Baden-Württemberg stattfindenden Lehrgang, hier in Menzingen zu dem (namentlich benannt) Teilnehmer aus ganz Deutschland anreisen. Unter der Anleitung von Rolf Habich, Hans und Michael Vögele, und den hoch angesehenen Lehrern aus Frankreich, Michel Jalenques und Guy Vosters werden die „Geheimnisse des Trompespielens“ vermittelt. In diesen Kontext stellt Graf von Rittberg die Schleppjagd mit der Taunusmeute, eine ideale Verbindung mit der Trompe. Traditionsgemäß rundet ein Wettbewerb den Lehrgang ab.

Über die Jahre legen immer mehr deutsche Trompe-Bläser auf Wettbewerben in Frankreich das „Brevet du Sonneur classé" in Frankreich ab.

In der Tübinger Thiepval-Kaserne werden über die Jahre mit Unterstützung durch die „Forces Françaises en Allemagne“ zahlreiche Veranstaltungen mit und für die Trompe in Deutschland durchgeführt. Die stationierten Offiziere der Chasseurs unterhalten eine Trompegruppe. Mit folgenden Namen sind nur einige der Verantwortlichen genannt: General J. Richard, Commandants Haicaut de la Regontais und Charles Egret, Capitaine G. Meldet und Colonel Perry.

Hier erleben auch deutsche Jagdreiter anlässlich einer Schleppjagd  schon Anfang der 70er Jahre die musikalische Begleitung der Jagd durch die Trompes St. Hubert de Strassburg. Wieder ein Moment, zu dem sich neue Begeisterte aus der Reitszene der Trompe zuwenden, um sie zu erlernen. Colonel Doly, der Standortkommandant der Chasseurs in Tübingen, bemüht sich gleichzeitig um die Vertiefung der deutsch-französischen Freundschaft und regt die Gründung einer gemischten Bläsergruppe an. Französische Rekruten, die dieses Horn beherrschen, leisten zu diesem Zweck ihren Dienst in Tübingen bis zur Wiedervereinigung 1989. 

Vermehrt nehmen deutsche Sonneure erfolgreich an französischen Wettbewerben teil, einzeln, oder in Duo- und Trioformation, aber auch als Gruppe, wie 1977 „St. Eustachius Menzingen“ in Neuf-Brisach.

Neben dem im März 1978 zum 5. Mal veranstalteten Bläser-Lehrgang der Sektion Allemagne, diesmal in der Kaserne Tübingen, wird auch ein Lehrgang für die Ausbilder angeboten. Hierzu finden sich sowohl deutsche, als auch französische „Moniteure“ ein, um von den Herren Ph. Badet, Heinrich und Hermet in die Prinzipien der konstruktiven Pädagogik, Atem- und Blastechnik eingewiesen zu werden. Grosser Wert wird auch auf das Singen der Tier- und Situationsfanfaren im charakteristischen „Ton de Venerie“ gelegt. 

Die Begeisterung für die Trompe ist in ganz Deutschland verbreitet. Viele Bläser beschäftigen sich über die Jahre mit der aufwendigen Blasweise und -technik der Trompe und schliessen sich teilweise zu Gruppen zusammen. Viele von Ihnen besuchen trotz weiter Wege Lehrgänge und Wettbewerbe in Deutschland und Frankreich. Dort gesammeltes Wissen und Können wird den Gruppenmitgliedern und Bläserfreunden zu Hause vermittelt. Meist haben die ambitionierten Bläser einen jagdlichen, oder reiterlichen Hintergrund, viele von ihnen haben schon Bläsererfahrung mit dem Es-Parforce- oder Fürst-Pless-Horn. Es gibt vereinzelt auch „Jungbläser“, meist die Kinder aus dem Kreis der Trompe-Bläserszene.

Die in dieser Abhandlung namentlich genannten Personen und Gruppen verstehen sich als Beispiel für die wieder entstandene Gemeinschaft um die Trompe in Deutschland nach 1950. 

Neben der von der „“ wahrgenommenen und dokumentierten Entwicklung in Deutschland, entstehen auch zahlreiche eigenständig organisierte Gruppen, wie im oberbayrischen Traunstein. Dort erwirbt Franz Schmidl in den 70er-Jahren 16 Trompes des französischen Herstellers Cuesnon für seine Gruppe. Mit jungen jagdlichen Bläsern studiert er ein grosses Repertoire ein und wird mit seiner Gruppe über Jahre für viele Veranstaltungen, wie kirchliche Messen, Empfänge und Konzerte bis nach Österreich und Nord-Deutschland gebucht (historische Tonaufnahme der Traunsteiner Parforcehornbläser aus den 1970er-Jahren: Le Marche des Cerfs). 

Um die deutsche Bestandsaufnahme der Aktivitäten um die Trompe seit den 1950er Jahren möglichst detailliert zu erfassen, bittet die Redaktion um Berichte und Dokumente. Diese richten sie bitte an die

Initiative Trompe“
 Bergwiesen 1, 83278 Traunstein 


Konstanze Hofinger, hofinger@initiativetrompe.de   

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