1990er Jahre

Dieses Jahrzehnt ist geprägt von Konzerten auf hohem musikalischen Niveau, gründend in der deutsch-französischen Freundschaft verschiedener Gruppen und dem Anspruch, eine gute und professionelle Darstellung der Trompe zu geben. Dem Interesse für die Trompe kommt auch die allgemeine Begeisterung für barocke Instrumente und Musik entgegen. 

Diese Entwicklung ermuntert einige deutsche Bläsergruppen und ihre Mitglieder an internationalen Wettbewerben in Frankreich, Belgien und in der Schweiz teilzunehmen. Sowohl als Gruppenformationen, als auch in Trio, Duo, aber auch Einzelprüfungen erringen sie gute Erfolge, oder steigen sogar im Kategoriesystem der Fédération International des Trompes de France, kurz FITF auf.

Weiterhin suchen deutsche Bläser regelmässig Lehrgänge auf, sowohl innerdeutsch als auch in den benachbarten Ländern mit Trompetradition (Bericht H. Klingbeil Mollkirch). Auf diesen Lehrgängen bieten sich den Teilnehmern umfangreiche Auswahlmöglichkeiten zu verschiedenen Lernzielen an: Allem voran die Ausbildung des „Ton de Vénerie“, mit einer am persönlichen Stil und dem bläserischen Vermögen orientierten Pädagogik (Bernard Bertrand: Spiegel unseres Inneren). Aber auch die Ausbildung der einzelnen Stimmen für das Gruppenzusammenspiel ist Inhalt der Lehrgänge.

Es entstehen Kooperationen mit Spitzenbläsern aus den benachbarten Ländern, um in gemischter Formation zahlreiche Auftritte, sowohl in Deutschland als auch umgekehrt in den Ländern und Orten der befreundeten Bläser durchzuführen. Der einheitliche Blasstil der Trompe macht die länderübergreifenden Gruppenzusammenstellungen möglich. 

Auch gibt es Engagements in weiteren Ländern, wie Tschechien (Nationalgestüt Kladrub), Polen und Österreich

Bläser der bestehenden Gruppen vermitteln ihr erworbenes Wissen und Können sowohl an ihre Mitbläser, als auch an Interessierte von aussen. In offiziell benannten Trompeschulen werden Schüler meist von den Leitern und fortgeschrittenen Mitbläsern einer Trompegruppe ausgebildet. Dieser Unterricht wird ehrenamtlich geleistet und ist durchweg unentgeltlich.

Das deutsche Jagd-und Fischerei-Museum in München fördert in vielfältiger Weise die Präsentation der historischen und zeitgenössischen Trompetradition (Museumszeitung 1994-1995 und 1995-1997). Alljährlich wird ein grosses Jagdmusikkonzert (seit 1995) im Museum veranstaltet, ebenso gibt es Vorträge zum Thema. 

Sogar die Neuerwerbungen des Museums haben historische Darstellungen der höfischen Jagd zu Pferde mit Hundemeute zum Inhalt, oft mit Darstellung der Hörner. Mit grossem Interesse nimmt das Publikum das Thema an und kann über Jahre sogar das Zeremoniell einer Schleppjagd mit Trompeklängen mitten in der Stadt München, im Englischen Garten erleben.

Generell ist die Trompe fester Bestandteil der jagdreiterlichen Veranstaltungen geworden, die in ganz Deutschland Schleppjagden mit den Hundemeuten der verschiedenen Scheppjagdvereine (rund 25 Meuten in Deutschland) veranstaltet und die Tradition der jagdbegleitenden Signalfanfaren und kirchlichen Messen und Segnungen schätzt.

Die Mitglieder der Gruppe „Rallye Trompes de la Bruyère“ von Familie Tessmann sind zum Teil selbst begeisterte Jagdreiter und begleiten viele Schleppjagden mit Trompe zu Pferde. Mit bis zu sechs berittenen Bläsern können sie auch im vollen Galopp mehrstimmige Fanfaren vortragen, und sie kommunizieren mit den fussläufig im Gelände verteilten Bläsern mittels Frage- und Antwortspiel, dem „Phrase par Phrase-Blasen“.

 

Kalendarisch:

1990: 4. Süddeutsches Bläsertreffen und Lehrgang Friesenhofen

1991: 5. Lehrgang Friesenhofen

1992: 6. Lehrgang Friesenhofen 

Harald Klingbeil (Allgäu) tritt zusammen mit Marie-Luise Paquet (Saarland) als Stellvertreterin die Nachfolge von Hans-Georg Zilkens als deutscher Delegierter der „Féderation des Trompes de France“, kurz FITF-Sektion Deutschland an.

Rheinsberger Musiktage: 200 Jahre Jagdmusik, Präsentation durch "Rallye Trompes de la Bruyère".

1993: 7. Lehrgang Friesenhofen

Benefizkonzert der Gruppe „Les Trompes du Val du Rhin" unter Harald Klingbeil und Annerose Greisl in Emmendingen zu Gunsten bosnischer Flüchtlinge, Mitwirkung durch Hubert und Louis Heinrich.

"Rallye Trompes de Bavière" und "Les Trompes du Val du Rhin" nehmen beim französischen Wettbewerb für Gruppen in Chartres mit Platzierungserfolgen teil.

Nationaler Trompelehrgang zum ersten Mal im rheinland-pfälzischen Wittlich:

Die Lage zwischen Trier und Koblenz ist günstig für Teilnehmer aus dem saarländischen, hessischen und nordrhein-westfälischen Raum und darüber hinaus. Der Lehrgang findet auf dem Gelände der französischen Garnison unter Colonel Malbec und dem schon von den Lehrgängen in der französisch besetzten Tübinger Kaserne bekannten Kommandanten Yves Dupret statt. Die Organisation hat Marie-Luise Paquet. Erfahrene Trompespieler und Gruppenleiter sind aus Frankreich angereist und unterrichten in kleinen Klassen.

Eine Besonderheit: Der Kurs in Vénerie mit theoretischem Unterricht und anschliessender gerittener Demonstration mit geblasenen Trompe-Signalen für eine „Chasse à Courre“, eine Vorführung, die mit der "Équipage Piqu’Avant Lorraine" und deren Hundemeute einen Eindruck des Trompe-Blasens zu Pferde vermittelt. 

Die obligatorische Hubertusmesse und viele gemeinschaftliche Aktionen runden den Lehrgang ab.

1994: 8. Lehrgang Friesenhofen

2. Lehrgang in Wittlich mit 53 Teilnehmern in der französischen Garnison organisiert durch Marie-Luise Paquet.

Die Lehrgangsteilnehmer können das "Brevet du Sonneur Classé", die Zulassungsprüfung zur Teilnahme an den Wettbewerben, ablegen.

Feier des 20-jährigen Jubiläums der FITF-Sektion Deutschland in Wittlich: Vortrag in deutscher und französischer Sprache und Konzert „Trompe et Vénerie“, Ehrung des ersten Delegierten und Initiators für die Trompe in Deutschland Peter Kötz. 

1995: Lehrgang Friesenhofen zum 9. Mal in jährlicher Folge. (Jahresbericht 1995)

1. Lehrgang im Kloster Scheyern bei Pfaffenhofen mit der Möglichkeit das „Brevet du Sonneur Classé“ (kurz BSC), die Wettbewerbseignungsprüfung abzulegen, unter der Schirmherrschaft der FITF.

10 deutsche Gruppen sind offiziell bei der FITF gemeldet

"Rallye Trompes de Bavière" erringt den 1. Platz beim Gruppenwettbewerb in Belgien.

Ludger Schröder, Begründer der Rallye Trompes de Bavière, verstirbt 1995. Sein Wirken für die Trompe bleibt vielen Bläsern in Deutschland und darüber hinaus in ehrenwerter Erinnerung.

20. Geburtstag der Gruppe "St. Eustachius Menzingen", Gründer war Peter Kötz 1975, die Schirmherrschaft hatte der 1979 verstorbene Peter Freiherr von Mentzingen

1996: 10. Lehrgang Allgäu, nicht mehr Friesenhofen, sondern im 20km entfernten Eglofs bei Isny im Allgäu. 

2. Lehrgang im Kloster Scheyern bei Pfaffenhofen

"Rallye Trompes Moselle-Sarre" nimmt erfolgreich am französischen Gruppenconcours teil.

1997: Gründung der Frauengruppe „Rallye Sorcières“ mit 7 deutschen Bläserinnen.

3. Lehrgang im Kloster Scheyern bei Pfaffenhofen

1998: Frank Schubbert übernimmt das Amt des Delegierten der FITF-Sektion Deutschland, an seiner Seite steht, ebenso wie bei seinem Vorgänger Harald Klingbeil, Marie-Luise Paquet, die Ihr Amt als stellvertretende Delegierte bereits seit 1992 ausübt.

4. Lehrgang im Kloster Scheyern bei Pfaffenhofen

Trompe-Lehrgang auf der Insel Norderney, organisiert von „Trompe de Chasse Norderney“ mit den Lehrern: Jacquy Lognard (Belgien), Dieter Meier (D-Nordrhein-Westfalen), Harald Klingbeil (D-Bayern).

Marion Rieke (Mitglied der "Rallye Trompes de la Bruyère") erringt die erste Kategorie und damit höchste Qualifikation beim Internationalen Wettbewerb in Romorantin, Frankreich. Sie ist hiermit in Deutschland die erste Person, die diesen Grad erreicht.

1999: 5. Lehrgang im Kloster Scheyern bei Pfaffenhofen

2000: Dieter Lampe-Tessmann (Mitglied der Rallye Trompes de la Bruyère) erringt die erste Kategorie und damit höchste Qualifikation beim Internationalen Wettbewerb in Romorantin, Frankreich.