Atmung Teil II

Im ersten Blog haben wir einen Ausflug in die körperlichen Möglichkeiten oder Gegebenheiten gemacht. Wer genau hingeschaut hat, konnte bemerken, dass wir auf die Unterschiede der körperlichen Voraussetzungen bei Männern und Frauen, aber auch bei Kindern und der Generation ab 60 Jahren eingegangen sind. Um Jeden möglichst dort abzuholen, wo er sich bläserisch gerade befindet, ist es wichtig, auf diese Vielfältigkeiten einzugehen. 

Ebenso gibt es für jeden Bläser die für ihn optimal passende Trompe, das ist vergleichbar mit der individuellen Auswahl des passenden Fahrrads oder Autos mittels Probefahrt. So sollte jeder durch Ausprobieren und Vergleichen die für ihn geeignete Trompe wählen, denn es gibt diesbezüglich Trompe-Modelle, die mit sehr viel Luft geblasen werden und solche, die mit mehr Druck geblasen werden.

Eine Trompe, die ein verengtes Mundrohr hat (gerader erster Rohrabschnitt, auf den man das Mundstück aufsetzt), wird mit mehr Druck geblasen. 

Den Effekt des höheren Drucks kennen wir schon aus der Übung 'Stuhlprobe' von Blog "Atmung I" - das heisst, man verengt körperlich den Durchlass der Luft, indem man die Haltemuskulatur und speziell die Hals-Muskulatur anspannt. So braucht man weniger Luft, muss dafür aber mehr Druck mit der Muskulatur vom Hals bis zum Bauch aufbauen. 

Dies Verengungs-Prinzip lässt sich demnach sogar koppeln, indem man mit Anspannen der Halsmuskulatur und dem engeren Mundrohr einen doppelten Spareffekt erzielen kann. Das wäre vergleichbar mit dem ‚Durchflussbegrenzer‘ bei Wasserhähnen, die die Menge des durchlaufenden Wassers deutlich vermindern, nicht aber die Strahlkraft.

Beim letzten Blogbeitrag, der 'Stuhlprobe' haben wir erfahren, wie sich diese Muskelpartien gezielt ansprechen lassen, um die gewünschte Kontrolle über den Luftdurchfluss zu haben. Nun kann man mit dem Hilfsmittel Spiegel die Umsetzung in die stehende Position angehen.

Der Spiegel sollte möglichst so groß sein, dass man sich komplett darin sehen kann, schon allein, um kraftraubende „Bewegungen“ zu erkennen und zu vermeiden. Bei Betrachten des Halses zeigt der Spiegel unübersehbar, wenn der Luftstrom beim Blasen einer Phrase unterbrochen wird. Die Halsmuskulatur ist hier nicht durchgehend angespannt und wird statt dessen abwechselnd an- und ent-spannt. Dabei unterbricht man den gewünschten durchgängigen Tonfluss durch viele kleine 'Löcher'. Um dies zu verhindern und eine optimale Kontrolle über die Haltemuskulatur zu gewinnen, kann man die „Stuhlprobemit der stehenden Probe vor dem Spiegel abwechseln. Zusätzlich kann man sich mit der freien Hand am Hals fühlend kontrollieren, ob eine durchgängige Anspannung der Muskeln gewährleistet ist.

Auch das Aufnahmegerät ist ein wichtiger Begleiter. Im Zeitalter der Handys hat ja praktisch jeder immer ein Aufnahmegerät dabei. 

Nicht nur das, was die Lehrer vorblasen, sondern auch die eigenen Übungen kann man so immer wieder abspielen, kontrollieren und vergleichen. Es ist häufig hilfreich, wenn man einige Monate später die Aufnahmen, die man evtl. von verschiedenen Lehrern gemacht hat, noch einmal hören kann. Und nicht immer ist man sofort in der Lage, das, was einem jemand erklärt, gleich umzusetzen. Mit etwas Abstand und einigen Wiederholungen wird das Gehörte immer klarer und manchmal versteht man erst viel später, was der Lehrer einem konkret mitteilen wollte.

 

Die Atmung:

Der Atmung sollte man besondere Aufmerksamkeit widmen. Für einen 'großen Ton' - die Franzosen nennen ihn auch den 'ton de vénerie' - braucht es vor allem genügend Luft

Das klingt zuerst einmal sehr einfach: einatmen und los geht's. Leider ist die Atmung überhaupt nicht so leicht, wie man allgemein denken könnte. 

  1. Es ist wichtig, vor und dann bei der Atmung entspannt zu sein. Ist man verkrampft, so spannt man automatisch seine Muskulatur an. Durch die Anspannung wird die Lunge bzw. der Weg zur Lunge verengt. Die eingeatmete Luft hat nicht genügend Platz und somit kann die Lunge nicht so gefüllt werden, wie es im entspannten Zustand möglich wäre. 
  2. Man sollte möglichst gerade stehen, denn alle Verrenkungen können die Luftsäule einengen oder dies geschieht wieder durch eine Anspannung einzelner Muskelpartien.
  3. Bitte möglichst wenig beim Einatmen bewegen! Alle zusätzlichen und vor allem unnötigen Bewegungen, kosten auch unnötige Energie.
  4. Die Öffnung des Mundes bzw. der Zähne beim Ansetzen des Mundstücks und die Öffnung des  Rachens sind entscheidend für die Masse an Luft, die beim Einatmen aufgenommen wird bzw. werden kann.
  • Die Zähne sollten so weit geöffnet sein, dass mindestens der eigene kleine Finger Platz zwischen ihnen hat. Die Lippen müssen dabei so eng angesetzt werden, dass sie noch miteinander vibrieren können und dabei ein lockerer Ton entsteht - ähnlich wie beim Kaugummi kauen, wo die Zähne auseinander gehen, die Lippen aber zusammen bleiben.
  • Der Rachen sollte möglichst weit geöffnet sein. Hier hilft eine kleine Übung: zuerst ohne die Trompe - Atmen auf den verschiedenen Vokalen "A, E, I, O, U, Ä, Ö und Ü. Je schneller man diese Übung macht, um so mehr spürt man, dass man beim Buchstaben 'U' am schnellsten und am effektivsten Luft holen kann. Die Atmung ist damit schnell und auch automatisch tief in den Bauch. Atmet man auf den unterschiedlichen Vokalen, so wird der Durchlass (im Rachen) in dieser Reihenfolge von weit zu eng: U, O, A, Ä, E, Ö, Ü, I. Nun dasselbe mit der Trompe: die Trompe an die Lippen ansetzen, so dass sie noch vibrieren können, dabei die Zähne fingerbreit geöffnet lassen und JETZT: einatmen und dabei den Rachen möglichst weit auf 'U' öffnen. Das hört sich kompliziert an und das ist es zu Beginn ehrlich gesagt auch! Mit einiger Übung wird es aber besser. 

Generell ein sehr wichtiger Punkt beim Blasen ist, dass der Ton bzw. die Luft, die beim Blasen die Trompe verlässt, immer warm ist. Und das ist wörtlich gemeint. Diese warme Luft kommt tief aus dem Bauch, während kalte Luft - eher wie beim Pusten - keine Unterstützung der tiefen Bauchmuskeln benötigt. 

Eine Übung hierzu ohne die Trompe:

Halte die Hand mit einem Abstand von ca. 10-15 cm vor Deinen Mund und hauche in die Hand hinein. Man kann die warme Luft spüren. Je wärmer die Luft, desto besser die Ausgangsposition für das Blasen, denn wie beim Hauchen fühlt es sich auch beim Blasen an. Der Vorgang ist identisch, wird beim Blasen nur mit mehr Druck ausgeführt.

Viel Vergnügen beim Ausprobieren und Üben!

 

Trompe-Lehrgänge 2016:

In Deutschland werden 2016 drei Trompe-Lehrgänge, zum Teil auch für Es-Horn angeboten. Diese sind auf der IT-Seite unter der Rubrik "Termine" zu finden.

Wer die Möglichkeit hat, kann zudem auch in Frankreich, Belgien und in der Schweiz Lehrgänge besuchen. Die Ankündigungen stehen international in der Terminliste der FITF.org und für Belgien auf ftb-bjf.org unter „Agenda“.

Das Angebot reicht vom Anfängertraining bis zur Spezialisierung im Radoux (leises Blasen), für den Bass, die zweite Stimme, das Bouché (Stopfstimme), im Solo/Duo/Trio, oder in der Gruppe.

Zwischen den Lehrgängen und wer auf sich selbst gestellt ist, aber konstruktiv üben und weiterkommen möchte, kann sich also auch mit Hilfsmitteln, wie dem Aufnahmegerät und dem Spiegel gut helfen.

Noch ein neues Angebot gibt es jetzt bei der IT:

Wer keine Möglichkeit hat, an den Lehrgängen teilzunehmen, keine persönliche Hilfe bekommen kann oder eine Frage zu Technik oder Interpretation hat, dem bieten wir ein persönliches Coaching an. Er kann ein Handy-Video per email an die IT senden und sich darauf telefonisch Tipps und Anregungen geben lassen.